Freiburger Puppenbühne
Freiburger Puppenbühne

Interview

Dr. Johannes und Karin Minuth im Gespräch mit dem Freiburger Stadtkurier.


Die "Freiburger Puppenbühne" lässt zum 25-jährigen Bühnenjubiläum ihre selbst gebauten Puppen tanzen. Dabei war das Kaspertheater für Karin und Johannes Minuth immer mehr als nur seichtes Entertainment. Das Puppentheater ist der erste Einstieg für Kinder zum Theater, ist Bildungsauftrag und ein moralischer Balanceakt.

Stadtkurier: Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Wie sind Sie denn darauf gekommen, ein Puppentheater zu gründen?

Johannes Minuth: Das war die Idee meiner Frau. Als ich mein Referendariat als Gymnasiallehrer beendet hatte, war an den Schulen gerade ein totaler Einstellstopp. Weil das absehbar war, hatte Karin angefangen ihre ersten Puppen und eine Bühne zu bauen. Das war nur als Übergang gedacht.

Karin Minuth: Zuvor hatte ich mit unserer Tochter eine Puppentheatervorstellung besucht. Die hat mich völlig begeistert. Und weil ich damals als Dozentin an der VHS Lahr mit Kindern gearbeitet habe, wurde jeder Kurs dann mit einer kleinen Puppentheateraufführung von mir beendet. Das war einfach schön!

Stadtkurier: Und wie wir sehen, sind Sie dabei geblieben.

Karin Minuth(lacht): Zum Glück! Ich habe Jo ganz schnell mit dem Puppenspielvirus infiziert. Wir haben dann viele Fortbildungskurse besucht. Puppenführung. Stimmbildung, Spielaufbau. Aber das wichtigste ist wohl, dass jeder von uns wirklich mit Leib und Seele hinter der Bühne steht. Immer noch. Sonst könnten wir diesen Beruf gar nicht machen.

Stadtkurier: Bei Ihnen ist ja buchstäblich alles aus einer Hand. Sie stellen die Puppen, Kostüme und Requisiten selber her. Wer schreibt die Stücke?

Johannes Minuth: Die Kinderstücke haben wir alle selber entwickelt. Bei meiner Erwachsenenproduktion "Goethes Faust" halte ich mich aber natürlich an den Originaltext. Es ist übrigens das einzige Stück, bei dem die Figuren von einem ostdeutschen Künstler, Martin Thoms, hergestellt worden sind. Und Bernd Lafrenz hat die Regie übernommen.

Karin Minuth: Ja, es ist wunderbar, dass wir so tolle Wegbegleiter haben. Dazu gehören verschiedene Regisseure und Musiker aber auch unsere langjährige Mitarbeiterin Beate Walter. Sie nimmt uns ganz viel Büroarbeit ab und ist einfach ein Schatz!

Stadtkurier: Also scheint auch hinter den Kulissen ganz schön was los zu sein. Kann denn der Kasper das alles finanzieren?

Karin Minuth: Rückblickend waren die ersten Jahre ziemlich hart. Aber das haben wir gar nicht so gemerkt. Die Arbeit hat immer Spaß gemacht. Und in den Sommerferien 2 Wochen mit unseren Kindern Campingurlaub in den Vogesen zu machen erschien uns als etwas sehr wertvolles.

Johannes Minuth: Und wir haben immer wieder Glück gehabt: Zwar kamen wir nicht in die institutionelle Förderung der Stadt Freiburg, aber unsere letzten 10 Puppentheaterproduktionen wurden vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg gefördert. Und Karin ist unermüdlich bei der Suche nach Sponsoren. Die brauchen wir, um in Kindergärten, vor allem in sozialen Brennpunktgebieten, auftreten zu können. Da muss der größte Teil unserer Gage mit in die Einrichtung gebracht werden. Sonst ist eine Aufführung nicht möglich. Unsere treueste (oder: unsere größte) Mäzenin ist Frau Gisela Sick aus Waldkirch. Es sind mittlerweile fast 100 Vorstellungen, die mit ihrer Unterstützung durchgeführt werden konnten.

Stadtkurier: Sie spielen in Kindergärten. Wo treten Sie sonst noch auf? Und wie viele Vorstellungen geben Sie in einem Jahr?

Johannes Minuth: In Freiburg spielen wir jeden 1. Sonntag im Monat im Vorderhaus der Fabrik und ab Oktober bis Ostern wieder jeden Mittwoch im Podium der Harmonie. Aber wir sind auch bei Kultureinrichtungen, Kleinkunstbühnen und Stadtfesten, überall wo wir engagiert werden. Gerade kommen wir von einer Schweiz-Tournee zurück. In letzter Zeit hatten wir immer etwas über 200 Auftritte pro Jahr.

Stadtkurier: Das hört sich erfolgreich an. Haben Sie denn noch Wünsche?

Karin Minuth: Oh ja! Am Sonntag halte ich zum ersten Mal einen Vortrag. Allein. Ohne Puppen. Ich hoffe, dass da Menschen kommen und dass es gut wird. Ich wage mich da in eine neue Sache, wie vor 25 Jahren mit dem Puppentheater.

Johannes Minuth: Und ich möchte die Herzen meiner Zuschauer beim Puppenspiel mit Humor und heiterer Gelassenheit erreichen.

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